17.03.2020. Schulen, Kitas geschlossen, öffentliches Leben wird eingeschränkt –
wie werden die Menschen in Flüchtlingsunterkünften geschützt?

 

17.03.2020. Die Maßnahmen, die durch den Coronavirus notwendig wurden, haben für die fast 6.000 Menschen, die in den Unterkünften auf kleinem Raum leben müssen, weitgehende Auswirkungen.

 

Ein 14-qm-Raum ist mit 2-3 Personen belegt. Kein fließendes Wasser in den Wohnräumen. Gemeinschaftsküche, Bad und Toilette werden von bis zu 19 Personen genutzt. Die Gänge sind zwischen den Räumen bzw. vor den Büros eng. Es gibt kaum Möglichkeiten einander auszuweichen.

 

Inzwischen leben in den Unterkünften viele Geflüchtete, die zwar eine Arbeit oder eine Ausbildung gefunden haben, aber keine Wohnung. 2/3 aller Bewohner sind Familien, überwiegend mit Kindern, die sich nun auch in der Unterkunft aufhalten müssen. Das Sozialamt hat einen Notfallplan, sofern eine Infektion festgestellt wird. Aber es braucht einen Notfallplan, um eine Infektion innerhalb der Unterkünfte zu verhindern.

 

Alle die genannten Faktoren erhöhen die Infektionsgefahr. Es ist unverantwortlich angesichts der weitreichenden Maßnahmen im gesamten öffentlichen Leben, die Gefahr, die durch das enge Zusammenleben in den Einrichtungen ausgeht, nicht sofort durch schnelle außergewöhnliche Maßnahmen zu verringern und zu beheben.

Das heißt:

 

schnell in allen Unterkünften die 7-m²-Regelung umsetzen,
unverzüglich zusätzlichen Ersatzwohnraum schaffen und
leerstehenden, zweckentfremdeten Wohnraum sofort einer Nutzung zuführen.

 

Die Fraktion Linke/SÖS/Piraten/Tierschützer wird in der nächsten Gemeinderatssitzung am 02.04.20 einbringen einen Dringlichkeitsantrag.

 

FFF Christa Cheval-Saur, Roland Saur, Michael Zeiß


24.03.2020. Zusammenfassung der Situation in den drei Feuerbacher Unterkünften
laut telefonischer Auskunft jeweils einer SozialarbeiterIn

 

Alle drei berichten, dass die BewohnerInnen nach der ersten Woche der Maßnahmenverkündung besonnen reagieren. Überall gibt es Aushänge. Die Abstandsregeln werden eingehalten, Beratung findet entweder telefonisch statt oder in Einzelfällen mit Voranmeldung. In allen Einrichtungen gibt es WLAN-Verbindung, allerdings zum Teil ist die Verbindung schwach und nur an bestimmten Orten stärker.

 

Anfangs gab es Ängste wegen der Möglichkeit des Einkaufens. Das hat sich in den ersten Tagen gelegt, weil die BewohnerInnen wissen, dass sie Lebensmittel einkaufen können.

 

Eltern organisieren sich mit ihren Kindern selbst. Sie halten Abstand, bleiben überwiegend in ihren Zimmern, kümmern sich um die Hausaufgaben der Kinder. Gehen mit ihnen spazieren. Hausaufgabenbetreuung wird in einigen kleinen Einrichtungen (noch nicht in Feuerbach) wohl angeboten. In einer der Feuerbacher Unterkünfte wird überlegt, ob die Sozialarbeiter ein Angebot zur Hausaufgabenbetreuung machen.

 

Ansonsten gibt es unterschiedliche Anweisungen je nach Träger und Größe der Einrichtung. In einer Unterkunft ist der Spielplatz abgesperrt. In einer anderen spielen die Kinder draußen oder gehen auf nahegelegenen Spielplätze. Oder sie gehen mit den Eltern raus.

 

Arbeit: einigen, insbesondere bei prekären Leiharbeitsverhältnissen wurde gekündigt, andere arbeiten weiter. Nach Einschätzung aller drei SozialarbeiterInnen klappt das Zusammenleben gut – zur Zeit. Fraglich ist, wie es weitergeht, wenn der Zustand länger andauert. Ist die Enge der Einrichtungen wegen der notwendigen Maßnahmen auf Dauer zu ertragen?

 

Das führt auch zur Frage, ob Ausweichquartiere z.B. in kirchlichen Gemeinderäumen angeboten werden sollten. Alle drei SA-Innen haben das zum jetzigen Zeitpunkt abgelehnt. Sie denken auch, dass keine Familie jetzt wegziehen möchte in eine provisorische Unterbringung. Sie schließen nicht aus, dass das zu einem späteren Zeitpunkt notwendig sein könnte.

 

Christa Cheval-Saur/24.3.2020